Prof. Dr. Andreas Michalsen und Mag. Sandra M. Exl bei einem Interview

Heilfasten und Krebs – Hintergrund & neue wissenschaftliche Erkenntnisse

In Heilfasten & Gesundheit von Dr. Silvia Nold

Dass Fasten bei vielen Erkrankungen wie Rheuma, Bluthochdruck, Migräne oder Allergien erhebliche Verbesserungen erzielen kann, ist gut dokumentiert und anerkannt. Aber wie sieht es mit Krebserkrankungen aus? Krebs gilt hierzulande in der Schulmedizin nach wie vor als absolute Kontraindikation des Fastens. Doch es gibt seit einigen Jahren immer mehr veröffentlichte Studien vor allem aus USA, die erstaunliche Ergebnisse hervorbringen und selbst in Wissenschaftskreisen aufhorchen lassen.

2012 konnte man das erste Mal von Studien lesen, durchgeführt von Dr. Valter Longo, Professor für Gerontologie und biologische Wissenschaften an der University of Southern California, in denen die erstaunliche Wirkung des Fastens auf Krebszellen beschrieben wurde. In diesen Untersuchungen an Mäusen zeigte sich, dass sich das Wachstum der entarteten Zellen verlangsamte und sich die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung drastisch verringerte.

Heilfasten und Chemotherapie

Man vermutet, dass Fasten die gesunden Zellen vor der schädlichen Einwirkung einer Chemotherapie schützen kann, während das Fasten die Krebszellen für die Chemotherapie empfänglicher macht (1,2). Dieser Mechanismus lässt sich verkürzt so erklären:

Die gesunde Zelle schaltet beim Heilfasten auf einen Energiespar-Modus um und verlangsamt ihren Stoffwechsel. Somit werden die Zellgifte der Chemotherapie nicht in dem Maße aufgenommen, wie dies im aktiven Modus der Fall ist. Die Krebszellen hingegen sind auf schnelles Wachstum programmiert und erhöhen ihre Stoffwechselrate beim Fasten sogar noch. Durch den fastenbedingten Nährstoffmangel geht ihnen somit einerseits schnell die Energie aus und andererseits nehmen sie durch den beschleunigten Stoffwechsel noch mehr der Chemogifte auf. Die Kombination aus Fasten und Chemotherapie ist somit deutlich effektiver und nebenwirkungsärmer als die Chemotherapie alleine, so Dr. Longo.

Dr. Valter Longo hat in seinem Buch „Iss dich jung“ die wissenschaftlichen Studien an Tieren und Menschen zusammengefasst, die eindeutige Aussagen über Ernährung und Heilfasten zur Prävention und Therapie von Krebs und anderen Krankheiten machen. Die gesamten Einnahmen aus dem Buch stellt Longo der Forschung zur Verfügung.

Heilfasten und Krebs 

Fasten kann also vermutlich (zumindest in manchen Fällen) eine Chemotherapie verträglicher und effektiver machen. Doch wie sieht es mit dem generellen Zusammenhang zwischen Heilfasten und Krebserkrankungen aus? 

Fasten zur Vorbeugung von Krebs 

Fastenkuren oder regelmäßiges Intervallfasten könnten zur Krebsvorbeugung beitragen, zeigen verschiedene Studien. Wichtig könnte in diesem Zusammenhang vor allem die  Autophagie sein, über die hier auf unserem Portal bereits verschiedene Artikel zu finden sind. Die Autophagie sorgt als “zelluläre Müllabfuhr” dafür, dass Zellen optimal funktionieren, Zellmüll abgebaut und abtransportiert wird und das Immunsystem optimiert wird. Dieser Prozess hat auch großen Einfluss auf die Krebsentstehung und die Bildung von Metastasen. Fasten senkt zudem den Spiegel des Wachstumsfaktors IGF-1 im Blut, der auch das Wachstum von Tumorzellen anregt (3-6).

Fasten bei Krebserkrankungen 

Menschen mit Krebserkrankungen wird oft vom Fasten abgeraten. Das gilt vor allem dann, wenn eine Gewichtsabnahme nicht erwünscht ist, mit der Krebskranke leider sowieso oft zu kämpfen haben. Das Fasten könnte bei bestimmten, mit dem Arzt abgesprochenen Fällen aber durchaus einen Nutzen haben. Denn das Fasten kann bei manchen Krebsarten unter Umständen auch direkten Einfluss auf das Krebswachstum oder das Fortschreiten der Krebserkrankung nehmen. 

Beispielsweise wurde dies aktuell für ALL (akute lymphatische Leukämie) belegt, eine Blutkrebserkrankung, die vor allem Kinder trifft. Forscher der Universität Texas zeigten 2016, dass intermittierende Fasten (Intervallfasten) die Entwicklung der ALL verlangsamen kann (10). Allerdings stammen diese Daten bisher nur aus Laborstudien und müssen noch durch klinische Studien verifiziert werden. 

Außerdem zeigen Studien, dass Fasten das Risiko für ein Rezidiv (also einen Rückfall) bei Krebserkrankungen vermindern könnte. Hinweise darauf gibt zum Beispiel eine Studie mit Brustkrebspatientinnen (11). Die Patientinnen, die über Nacht mehr als 13 Stunden nichts aßen (intermittierendes Fasten) hatten ein geringeres Rückfallrisiko als die Patientinnen, die nur eine kürzere Essenspause machten. Zusätzlich zeigen erste Laborversuche, dass Fasten möglicherweise die Bildung von Metastasten verhindern könnte, was jedoch zunächst noch weiter untersucht werden muss. 

Bitte beachten Sie, dass Sie im Falle einer Krebserkrankung nicht auf eigene Faust fasten sollten, sondern immer in Rücksprache und Begleitung eines Arztes, der sich mit dieser Materie auskennt. Manche Krebspatienten haben Untergewicht, was eine Kontraindikation des Fastens ist. Nicht jeder ist also in der Verfassung zu fasten! Der Fastenforscher und Internist Prof. Dr. Andreas Michalsen bringt dies im folgenden Interviewausschnitt sehr gut zum Ausdruck:

Interview mit Prof. Dr. Andreas Michalsen – Heilfasten und Krebs

Prof. Andreas Michalsen ist Internist und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin und am Immanuel Krankenhaus Berlin. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist das Heilfasten. In diesem Interviewausschnitt spreche ich mit ihm über das Thema Krebs und Fasten:

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Dieser Fachartikel wurde verfasst von

Dr. Silvia Nold

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing e.U. über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.

Quellenangaben
  1. Longo V et al. Fasting cycles retard growth of tumors and sensitize a range of cancer cell types to chemotherapy. Sci Transl Med. 2012 Mar 7;4(124):124ra27.
  2. S. De Groot et al., »The effects of short-term fasting on tolerance to (neo) adjuvant chemotherapy in HER2-negative breast cancer patients: a randomized pilot study«, BMC Cancer, Oktober 2015.
  3. Safdie FM. et al., Fasting and cancer treatment in humans: A case series report. Aging (Albany NY). 2009 Dec 31;1(12):988-1007.
  4. Brandhorst S, Longo VD. Fasting and Caloric Restriction in Cancer Prevention and Treatment. Recent Results Cancer Res. 2016;207:241-66.
  5. Nencioni A, Caffa I, Cortellino S, Longo VD. Fasting and cancer: molecular mechanisms and clinical application. Nat Rev Cancer. 2018 Nov;18(11):707-719.
  6. Mowers EE, et al. Autophagy in cancer metastasisOncogene. 2017 Mar 23;36(12):1619-1630. 
  7. de Groot S, Pijl H, van der Hoeven JJM, Kroep JR. Effects of short-term fasting on cancer treatment. J Exp Clin Cancer Res. 2019 May 22;38(1):209.
  8. Lee C, Longo VD. Fasting vs dietary restriction in cellular protection and cancer treatment: from model organisms to patients. Oncogene. 2011 Jul 28;30(30):3305-16.
  9. Longo, Valter: Iss dich jung. Wissenschaftlich erprobte Ernährung für ein gesundes und langes Leben – Die Longevitá-Diät. Goldmann, 2018, S. 177-205.
  10. Lu Z, et al. Fasting selectively blocks development of acute lymphoblastic leukemia via leptin-receptor upregulation. Nat Med. 2017 Jan;23(1):79-90. 
  11. Marinac, CR. Prolonged Nightly Fasting and Breast Cancer Prognosis. JAMA Oncol. 2016 Aug 1; 2(8): 1049–1055.