Welche Methoden gibt es beim Heilfasten? Praktische Tipps

Während beim klassischen Heilfasten (nach Buchinger) strikt auf feste Nahrung verzichtet wird, sind bei anderen Fastenarten bestimmte Lebensmittel und oft sogar vollständige Mahlzeiten erlaubt. Hier sind die wichtigsten und beliebtesten Methoden des Fastens erklärt.

Heilfasten nach Buchinger

Das Heilfasten nach Buchinger ist die älteste und wohl bekannteste Methode des Heilfastens. Wenn ganz allgemein von „Heilfasten“ die Rede ist, ist damit für gewöhnlich diese Fastenmethode gemeint. Der deutsche Arzt Dr. Otto Buchinger gilt als Begründer des Heilfastens. Nachdem er sein eigenes Rheuma durch Fasten deutlich lindern konnte, eröffnete er 1920 die erste deutsche Heilfastenklinik.

Beim Heilfasten nach Buchinger bereitet man den Körper mit ein bis drei Entlastungstagen auf die Fastenkur vor. Dann starten die Fastentage mit einer Darmentleerung. Meist folgen fünf bis sieben Fastentage, an denen keine feste Nahrung konsumiert wird. In dieser Zeit trinken Sie Wasser, Tee, Gemüsebrühe (Fastensuppe) und/oder frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte. Etwas Honig kann bei Schwindel oder Schwächegefühlen helfen. Wichtig ist auch tägliche Bewegung, die zum Programm der Fastenkur nach Buchinger dazugehört. Anschließend erfolgt wieder eine langsame Umstellung auf feste Nahrung – die Aufbautage.

Ich selbst faste seit über 20 Jahren regelmäßig nach dieser Methode und bin auch ausgebildete Fastenbegleiterin. Ich habe für Gesunde, die zu Hause fasten möchten, ein 7-Tage-Programm erstellt. Damit bekommen Sie jeden Tag ein Video und eine Text-Info von mir zugeschickt, wo ich alles Tagesrelevante bespreche. Ich zeige Ihnen z.B. genau, wie ein Einlauf funktioniert, unterstütze Sie auch mental beim Fasten und gebe Ihnen meine besten Gesundheitstipps für die Zeit danach.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie auf diese Weise zum Fasten motivieren kann. Hier können Sie sich mein 7-Tage-Fastenprogramm ansehen.

Bei Erkrankungen wie z.B. Diabetes Typ 2 kann das Buchinger Fasten enorme Linderung bringen[1], aber es kann sehr gefährlich werden, mit einer solchen Krankheit alleine zu fasten. Daher ist in diesem Fall ausnahmslos eine engmaschige ärztliche Begleitung in einer Fastenklinik notwendig. Die Fastenklinik Buchinger Wilhelmi am Bodensee bietet hierfür ein sicheres Umfeld.

Verschieden Heilfasten Methoden zum Abnehmen und Gesundwerden in einem Mosaik

Die Wirkungsweise des Buchinger-Fastens wurde bereits 2019 in der weltweit größten wissenschaftlichen Fasten-Studie unter der Leitung von Dr. med. Françoise Wilhelmi de Toledo veröffentlicht.

Suppenfasten, Saftfasten oder Molkefasten

Suppenfasten, Saftfasten und Molkefasten sind drei Fastenarten, die in einigen Kurzentren angeboten werden, aber besonders häufig auch Zuhause durchgeführt werden. Da die Ernährung nährstoffreich ist, ist während des Fastens nicht unbedingt eine ärztliche Kontrolle nötig. Wie bei jeder Fastenkur sollten Sie natürlich vor Beginn dennoch sicher sein, dass Sie körperlich fit und gesund sind. (Außer natürlich Sie fasten in einer Klinik zum Zwecke der Genesung.)

Das Suppenfasten ist eine gute Möglichkeit, selbst Zuhause zu fasten. Die Suppen lassen sich auf Vorrat zubereiten und portionsweise einfrieren. Mehrmals täglich kann ein Teller Suppe, zum Beispiel eine nur leicht gesalzene Gemüsesuppe, gegessen werden. Beim Saftfasten werden frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte getrunken. Je nach Kur sind drei bis sieben Gläser Saft pro Tag erlaubt. Sowohl beim Suppen- als auch beim Saftfasten wird zusätzlich über den Tag viel Wasser und wenn gewünscht, ungezuckerter Kräutertee getrunken.

Das Molkefasten setzt auf die eiweiß- und vitaminhaltige Molke, die bei der Herstellung von Käse und Quark entsteht. Oft wird pro Tag ein Liter Molke und viel stilles Wasser empfohlen. Hier gilt es aber zu bedenken, dass Milcheiweiß gerade in den letzten Jahren sehr in Kritik geraten ist und aus derzeitiger Sicht der Forschung in solch großen Mengen für den Menschen gesundheitlich nicht optimal ist.

Banner mit dem Text Leitfaden zur Darmsanierung

Wasser- oder Teefasten

Das Teefasten ist die radikalste Art des Heilfastens. Im Gegensatz zur Fastenkur nach Buchinger sind weder Saft noch Gemüsebrühe erlaubt. Es wird ausschließlich Tee und/oder Wasser konsumiert. Die Effekte einer solchen Fastenkur können enorm sein – sowohl im positiven Sinn wie auch in Bezug auf Nebenwirkungen. Darum sollten Sie bei einem kompletten Verzicht auf Kalorien immer besonders umsichtig fasten.

Viele Menschen fürchten den kompletten Nahrungsverzicht und für all jene ist diese vom Altersforscher Valter Longo entwickelte Kur eine hervorragende Alternative. Dabei darf man täglich rund 750-1000 kcal aus bestimmten Nahrungsmitteln zu sich nehmen und hat trotzdem die positiven Effekte einer „richtigen“ Fastenkur. Diese Art des Fastens ist eine der am besten wissenschaftlich untersuchten Fastenformen[2]. Es handelt sich dabei um ein in der Regel fünf Tage dauerndes, veganes Ernährungsprogramm, welches die selben Effekte auf die Gesundheit und Langlebigkeit hat, wie ein Nahrungsverzicht im Zuge einer Fastenkur.

Auf Basis der jahrzehntelangen Forschung von Valter Longo wurde ein Scheinfasten-Programm entwickelt, bei dem man eine fix fertige Box mit allen benötigten Nahrungsmitteln für diese 5 Tage bestellen kann. Es ist aber auch durchaus möglich, auf der Grundlage dieses Konzepts selbst einen Plan und die Mahlzeiten für eine solche Kur zusammenzustellen. Eine Anleitung sowie die genauen Hintergrundinformationen finden Sie in unserem Fachartikel zum Scheinfasten.

Fastenkur nach Franz Xaver Mayr (F. X. Mayr-Kur)

Der österreichische Arzt Dr. Franz Xaver Mayr (1875–1965) beschäftigte sich schon als Student damit, wie Darmgesundheit und Entgiftung mit dem Allgemeinbefinden zusammenhängen. Durch seine Beobachtungen der erstaunlichen Wirkungsweise von Nahrungsreduktion auf die Beschwerden seiner Patienten entwickelte er eine Kur, die auch als „Milch-Semmel-Kur“ bekannt wurde. Heutzutage wird die Mayr-Kur jedoch üblicherweise nicht mehr mit Weizenmehl- und Kuhmilchprodukten durchgeführt, da diese Lebensmittel bei Gesundheitsbewussten nicht sehr angesehen sind.

Es werden in der Regel Brötchen z. B. aus Dinkel- oder Buchweizenmehl verwendet und statt der Kuhmilch werden Suppen oder Ziegenmilchprodukte dazu gegessen. Zusätzlich werden täglich größere Mengen Tee und Wasser getrunken. Das Hauptaugenmerk der F. X. Mayr-Kur liegt auf dem langen und gründlichen Kauen der Nahrung. Die Brötchen sollen in kleinen Häppchen lange gekaut werden. Das Ziel von Dr. F. X. Mayr war es, die Verdauung und den Speichelfluss anzuregen, aber auch ein neues Bewusstsein für die Nahrung und den Prozess des Essens zu schaffen. Da kein vollständiger Verzicht auf Nahrung erfolgt, ist diese Kur besonders schonend und auch für viele Menschen geeignet, die vollständiges Fasten nicht wünschen oder dürfen.

Streng genommen sind sowohl die Mayr-Kur als auch die nachfolgenden Kuren keine richtigen Fastenkuren, sondern entsprechen eher dem Konzept des Scheinfastens, da ja gegessen wird, wenn auch reduziert. Weil der therapeutische Effekt aber dem des Fastens sehr ähnlich ist, werden sie meist als Fastenkuren bezeichnet und werden somit auch hier angeführt. Hier finden Sie unseren ausführlichen Fachartikel zur Mayr-Kur.

Basenfasten Methode

Auch beim Basenfasten wird nicht auf Nahrung verzichtet, es gehört aber durchaus zu den therapeutischen Fastenarten. Beim Basenfasten werden üblicherweise drei Mahlzeiten eingenommen. Allerdings wird der Fokus auf basische Lebensmittel wie Obst und Gemüse gelegt. Auf säurebildende Nahrungsmittel und Gewohnheiten wird verzichtet. Zusätzlich können Basenpulver, Leberwickel, Basenbäder, Massagen und viel Bewegung den Effekt der Entsäuerung unterstützen.

Welche Lebensmittel und Gewohnheiten in unserem Körper basisch bzw. säurebildend wirken und wie Sie ein Säure-Basen-Gleichgewicht in Ihrem Organismus schaffen, erkläre ich in diesem Artikel inkl. Video: Säure-Basen-Haushalt in Ordnung bringen

Kur zur Leberentgiftung und Darmreinigung

Bei der 21-tägigen Kur zur Leberentgiftung und Darmreinigung spielt die Auswahl entgiftender und leberunterstützender Lebensmittel und Kräuter die größte Rolle. Begleitend werden Maßnahmen durchgeführt, welche den Darm reinigen, das Mikrobiom, also unsere Darmflora, aufbauen und die Entgiftung der Leber fördern. Ich habe das gesamte Kur-Konzept in einem ausführlichen Artikel samt Video erklärt. Die gesamte Anleitung zur Durchführung der Kur stelle ich Ihnen in diesem Fachartikel  kostenlos zur Verfügung.
Matthias und ich haben außerdem ein begleitendes Webinar zur Leber-Darm-Reinigungskur erstellt, bei dem wir die TeilnehmerInnen mit persönlichen Videos, weiteren Fachinformationen und Rezepten für jeden Tag (insgesamt 93 Rezepte) unterstützen. Matthias hat dabei den Part des Seelendetox übernommen – sein Spezialgebiet.
Egal, ob mit oder ohne unsere Begleitung, wünschen wir allen, die diese Kur machen (geht auch während der Arbeit), schöne und wohltuende 3 Wochen.

Bewegung beim Heilfasten - eine Frau

Die Schrothkur

Die Schrothkur wurde im 19. Jahrhundert von Johann Schroth entwickelt, einem Fuhrmann und Bauern. Bei der Schrothkur wird nicht komplett gefastet, aber auf eine spezielle Diät umgestellt. Da neben einer besonderen Ernährung auch Körperwickel zu dieser Art des Heilfastens gehören, wird sie normalerweise nicht Zuhause, sondern in einer Kurklinik oder einem Kurzentrum durchgeführt.

Bei der Schrothkur wechselt ein „Trockentag“ mit geringer Trinkmenge mit vier „Trinktagen“ mit beliebig großer Trinkmenge ab. An den Trinktagen darf auf Wunsch sogar ein Glas Wein konsumiert werden. Währenddessen nehmen die Fastenden eine kalorienreduzierte, fettarme, vegetarische Diät mit gedünstetem Gemüse und Vollkornprodukten zu sich. In regelmäßigen Abständen werden sogenannte Dunstwickel durchgeführt, die die Entschlackung und den Stoffwechsel anregen sollen.

Fastenkuren nach Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen (geboren 1098) kennt fast jeder als Kirchengelehrte und Autorin vieler Werke über Religion, Medizin, Heilkräuter und viele andere Themen. Auch mit dem Fasten beschäftigte sie sich und empfahl das Heilfasten zur Reinigung und Entgiftung von Körper, Geist und Seele. Hildegard von Bingen entwickelte vier unterschiedliche Fastenkuren. Da sie Dinkel als eines der wertvollsten und heilsamsten Nahrungsmittel betrachtete, ist dieser „Ur-Weizen“ oft ein Bestandteil ihrer Kuren:

Dinkel-Obst-Gemüse-Fasten

Dinkelbrot, Dinkelflocken, Heilkräuter, Obst und Gemüse werden in kleinen, fettarmen Mahlzeiten zubereitet. Eine sehr sanfte Fastenart. Da es um eine Ernährungsumstellung und nicht um eine starke Reduktion geht, ist eine Durchführung über lange Zeit möglich.

Dinkel-Reduktionskost

Hier wechselt ein Tag mit leichter, ausgewogener Ernährung (gemäß den Ernährungsregeln von Hildegard von Bingen) mit einem Dinkeltag ab, an dem nur Dinkelbrot oder bestimmte Dinkelgerichte verzehrt werden.

Dinkel-Brot-Fasten

Die Steigerung der ersten beiden Kuren ist der ausschließliche Verzehr von Dinkelbrot, zusammen mit Kräutertees.

Hildegard-Saft-Fasten (strenges Hildegard-Fasten): Die höchste Stufe des Hildegard-Fastens beinhaltet frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, Kräutertee und Brühe, ohne jede feste Nahrung. Bereits im 12. Jahrhundert entwickelte Hildegard von Bingen also einen Vorläufer vieler heute üblicher Heilfasten-Methoden.

Intervallfasten Methode

Eine spezielle Variante des Heilfastens ist das Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten oder Kurzzeitfasten genannt. Hier macht man sich kurzfristige Veränderungen des Stoffwechsels durch den Verzicht auf Nahrung zunutze. Diese setzen bereits ein, wenn der Körper für mindestens 14 Stunden keine Kalorien aufnimmt.

Sehr weit verbreitet ist die 16:8-Methode. Das bedeutet, dass die 24 Stunden eines Tages wie folgt eingeteilt werden: Im Zeitraum von 16 Stunden wird gefastet und innerhalb von 8 Stunden wird 2-3 Mal gegessen. Das lässt sich zum Beispiel so umsetzen, indem man um 12.00 Uhr mittags und abends bis spätestens 20.00 Uhr jeweils eine Mahlzeit zu sich nimmt. Wer möchte, kann auch eine kleine Zwischenmahlzeit einnehmen. Alternativ zur 16:8-Methode können auch andere Varianten angewendet werden. Beispielsweise können ein bis zwei Fastentage pro Woche eingelegt werden. Studien zeigen, dass Intervallfasten Diabetes, Demenz[3], Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Krankheiten positiv beeinflussen oder verhindern kann[4].

Mein Mann und ich betreiben das intermittierende Fasten schon seit einiger Zeit und können es wunderbar in unseren Alltag integrieren. Wir haben großartige Erfahrungen damit gemacht und auch einen Artikel inkl. Videointerview mit Dr. Ruediger Dahlke dazu veröffentlicht: Gesund durch Intervallfasten.

 

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Bildquellen

  • Heilfasten Methoden: kurhan | Shutterstock.com
  • Bewegung beim Heilfasten: Yellowj | Shutterstock.com

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Barnosky AR, et al. Intermittent fasting vs daily calorie restriction for type 2 diabetes prevention: a review of human findings. Transl Res. 2014;164(4):302-11.
2 Longo VD, et al. Fasting, Circadian Rhythms, and Time-Restricted Feeding in Healthy Lifespan. Cell Metab. 2016
3 Zhang J, et al. Intermittent Fasting Protects against Alzheimer’s Disease Possible through Restoring Aquaporin-4 Polarity. Front Mol Neurosci. 2017
4 Anton SD, et al. Flipping the Metabolic Switch: Understanding and Applying the Health Benefits of Fasting. Obesity (Silver Spring). 2017